„Donaueschinger Regionale“ eröffnet!
Austellungszeit: 2. Mai bis 24. Mai 2026
Ausstellungsort: Donauhallen, Bartók Saal
Am Freitag, 1. Mai 2026, wurde die „Donaueschinger Regionale“ im Bartók Saal der Donauhallen eröffnet. Mehr als 200 Kunstinteressiete waren der Einladung zur Vernissage gefolgt.
Den mit 2.000 Euro dotierten Kunstpreis der Stadt Donaueschingen erhielt an diesem Abend die Künstlerin Katharina Büttgen für ihre Arbeit „Sprache ist Widerstand“.
Die Jury begründete ihre Entscheidung: „Drei gestickte Worte in fremder Sprache (belarussisch) eröffnen einen Bildraum, der sich von der Wand auf den Boden erstreckt. In ihrem Textilobjekt thematisiert Katharina Büttgen, eine junge Karlsruher Künstlerin mit familiären Wurzeln in Belarus, die Ohnmacht der Menschen in einem Überwachungsstaat. Wir fühlen uns an traditionelle Stickbilder erinnert, die in Jahrhunderte langer Tradition zu Geburten oder Hochzeiten in der Regel von Frauen gestickt und innerhalb der Familien verschenkt wurden. Katharina Büttgens Textilbild jedoch handelt von Krieg, Vertreibung, Flucht und Schmerz und ist ein Pamphlet des Widerstands. Eingerahmt von Stacheldraht, zwei Überwachungskameras und Knüpfnadeln blicken wir in der Bildmitte auf drei Worte, die „Tränen gleich“ als Fäden aus der Leinwand in den Raum fließen. Die Überlängen des für die Arbeit verwendeten dunkelroten Fadens bilden auf dem Boden eine symbolische Blutlache. Die Einfachheit der verwendeten Mittel, die Reduktion auf wenige, jedoch sehr ausdrucksstarke Motive und die Platzierung von nur drei Worten „Sprache ist Widerstand“ erzwingen unsere unmittelbare Reaktion, denn ein Wegschauen ist nicht möglich.“
Katharina Büttgen wurde im Jahr 2001 in Aachen geboren und studierte zunächst in Köln Kunst und Philosophie und lebt nun zur Fortsetzung ihrer Studien an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Themen wie Krieg, Gewalt, Verfolgung, Angst, der Wunsch nach der eigenen Unversehrtheit, die Erinnerung an eine sorglose Kindheit sowie der Schutz der Familie und der Menschen hat Büttgen nach Suchen und Mit-sich-Ringen in ihrem Werk künstlerisch umgesetzt.
Tradition und Moderne: Die Entwicklung der Kunstbiennale
Mit der Gründung der Kunstbiennale im Jahr 2003 hatte der damalige Oberbürgermeister Dr. Bernhard Everke einen entscheidenden Impuls für die Bildende Kunst in Donaueschingen gesetzt: Richtungsweisende Kunstpositionen im ländlichen Raum sollten durch eine jurierte Ausstellung sichtbar werden. Hatten sich damals 149 Künstler und Künstlerinnen beworben, ist das Bewerberfeld für die diesjährige Ausgabe auf 268 gewachsen. Dass sich der Bartók Saal, damals noch Halle B genannt, hinsichtlich technischer Ausstattung und Größe als auch vom Ambiente her für zeitgenössische Kunst besonders eignet, wurde schon damals in der Pressemitteilung festgestellt. Auch heute zeigen sich die Vorteile der Halle, die mit Ausstellungswänden absolut flexibel ausgestattet werden kann und mit der eingezogenen Empore Platz bietet, um thematisch gefasste Installationen zu zeigen.
Der Auswahlprozess: Vielfalt statt Einseitigkeit
In diesem Jahr wählte die Jury, bestehend aus dem Zeichner, Maler und Fotografen Prof. Marcel van Eeden, dem Maler Wolfgang Faller und dem Bildhauer Thomas Putze sowie dem Kunsthistoriker und Kurator Priv-Doz. Dr. Ralf Michael Fischer und der Kunsthistorikerin und Galeristin Andrea Dreher in einem mehrstufigen Auswahlverfahren 56 Bilder, 34 Objekte und Skulpturen sowie drei Videos von 62 Kunstschaffenden und drei Künstlerduos aus.
In seiner Festrede berichtete Ralf Michael Fischer von den Herausforderungen des Auswahlverfahrens. Die Jury setzt sich aus Kunst-Fachleuten zusammen, die unterschiedliche Laufbahnen, Wahrnehmungsweisen und Maßstäbe haben, und mit ihren jeweiligen Positionen die Tendenz zu einseitigen Entscheidungen ausschließen können. Kunst sei ein höchst vielschichtiges Phänomen. Umso mehr freue es ihn, so Fischer, dass der Preis der diesjährigen Donaueschinger Regionalen an ein textiles Werk ging – ein lange Zeit in der Kunstwelt nicht ernst genommenes Medium.
Musikalische Umrahmung und Begleitprogramm
Die musikalische Gestaltung der Vernissage lag bei der Sängerin und Klarinettistin Carla Fuchs, die mit einer Eigenkomposition, einem Ausschnitt aus der „Aria“ des US-amerikanischen Komponisten John Cage und einer Improvisation über Sholom Secundas „Bei mir bistu shein“ das Publikum begeisterte.
Zum Begleitprogramm der Ausstellung zählen Führungen mit dem Kunsthistoriker Stefan Simon. Am Sonntag, 17. Mai findet im Rahmen des Internationalen Museumstags ein Konzert mit Lehrern und Schülern der Musikschule Donaueschingen und ein Workshop Airbrush & Street Art statt. Die Finissage am Sonntag, 24. Mai, 18:00 Uhr, bietet letztmals die Gelegenheit, die Regionale zu besuchen und mit den Kunstschaffenden ins Gespräch zu kommen.
Das detaillierte Programm kann dem Veranstaltungsflyer entnommen werden und steht auch auf der städtischen Webseite www.donaueschingen.de bereit.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von 12 Euro, der in der Ausstellung und in der Touristinformation, Karlstraße 58, erworben werden kann.
Öffnungszeiten und Führungen
Öffnungszeiten der Donaueschinger Regionale (Bartók Saal der Donauhallen)
Samstag, 2. Mai bis Sonntag, 24. Mai 2026
Dienstag bis Freitag 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Samstag, Sonntag & Feiertag 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Die nächsten Führungen mit dem Kunsthistoriker Stefan Simon sind am Dienstag, 12.05.2026, 12:15 Uhr und Donnerstag, 14. Mai, 17:00 Uhr gefolgt um 19 Uhr von dem Dokumentarfilm „Prismenspiele – ein Augenblick“ über das künstlerische Werk von Miriam Huschenbeth im Kommunalen Kino guckloch.
Abbildung: Bürgermeister Severin Graf (von links), Katharina Büttgen, Gewinnerin des Kunstpreises der Stadt Donaueschingen 2026, und Privat-Dozent Dr. Ralf Michael Fischer, Mitglied der Fachjury, bei der Eröffnung der Donaueschinger Regionale am 1. Mai 2026.