Das ist eine faszinierende und tiefgründige Perspektive auf zeitgenössische Kunst. Die Verbindung von Surrealismus mit einem so dringlichen, realen Problem wie der Umweltverschmutzung verleiht den Werken von Mihály Kolodko eine ganz besondere Dynamik.
Die Kraft der Metapher
Der Hai als Jäger: Die Analogie trifft es auf den Punkt. Haifische werden oft als rücksichtslose,evolutionär perfektionierte Jäger wahrgenommen. Die "Umweltsünder" agieren in ihrer Ignoranz ähnlich zerstörerisch für das Ökosystem des Flusses.
Die verkehrte Welt: Haie im Süßwasser der Donau sind ein biologisches Paradoxon. Doch genau dieses Erschrecken – "Was macht ein Hai in der Donau?" – spiegelt das eigentliche Paradoxon wider: Why is there trash in our rivers?
Der Ort: Am Ursprung der Donau!
Dass diese Skulpturen ausgerechnet in Donaueschingen gezeigt werden, setzt ein starkes symbolisches Zeichen. Wenn der Müll symbolisch bereits am Ursprung, der Quelle der Donau, auftaucht, verdeutlicht das, dass der Schutz der Natur ganz am Anfang beginnen muss – im Denken wie im Handeln.
Upcycling als visuelle Kritik.
Kolodko nutzt die Technik des Upcyclings hier nicht nur als ästhetisches Mittel, sondern als direkte Anklage. Der Müll verliert durch die Transformation nicht seine Identität; der Betrachter erkennt bei genauem Hinsehen immer noch die Zivilisationsabfälle. Das macht die Kunst greifbar, unbequem und genau deshalb so wirkungsvoll.
Die Ausstellung verknüpft das Schöne mit dem Hässlichen und zwingt uns, genau hinzusehen. Ein starkes, verrücktes Stück Kunstaktivismus, das perfekt in unsere Zeit passt.
Werner Semmler
Das ist dazu die Pesssemitteilung vom Kulturamt der Stadt Donaueschingen:
Donauhaie kommen nach Donaueschingen
"Ein besonderes Kunstprojekt verbindet in diesem Sommer die Partnerstädte Donaueschingen und Vác entlang der Donau. Der ungarische Künstler Mihály Kolodko zeigt seine außergewöhnlichen „Donauhaie“ erstmals auch in Donaueschingen, am Ursprung der Donau, vom 21. Mai bis zum 13. September 2026. Die Skulpturen sind aus Beton gegossen und enthalten Müll, den der Künstler entlang der Donau gesammelt hat. Mit den Haien möchte Kolodko auf die Verschmutzung des Flusses aufmerksam machen. Der Hai, der eigentlich nicht in die Donau gehört, wird dabei zum Symbol für all das, was ebenfalls nicht in den Fluss gehört.Dass die Haie nun an der Donauquelle in Donaueschingen zu sehen sind, hat eine besondere Bedeutung: Hier beginnt die Donau ihre Reise durch zehn Länder bis zum Schwarzen Meer und verbindet dabei auch Donaueschingen mit seiner ungarischen Partnerstadt Vác. Die Ausstellung schlägt damit eine künstlerische Brücke entlang des Flusses und erinnert gleichzeitig daran, wie wichtig der Schutz dieses gemeinsamen europäischen Naturraums ist. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, die ungewöhnlichen Skulpturen zu entdecken und über die Reise der Donau – und den verantwortungsvollen Umgang mit ihr – nachzudenken".