Der römische Dichter Quintus Ennius (239–169 v. Chr.) behauptete einst von sich selbst, drei Herzen (tria corda) zu besitzen.
An diesen Ausspruch erinnerte man sich, wenn man in der Sitzung des Gemeinderates die Begründung des Oberbürgermeisters von Donaueschingen hörte, warum er, als Mitglied des Kreistages, für die Schließung des ehemaligen Kreiskrankenhauses in Donaueschingen stimmte. Erik Pauly gab an, er sei Oberbürgermeister, Kreisrat und Verwaltungsrat des Schwarzwald-Baar-Klinikums und habe deswegen „unterschiedliche Verantwortlichkeiten“ zu berücksichtigen. Unweigerlich dachte man an Johann Wolfgang von Goethes Drama im Faust-Stoff, als er seinen Dr. Heinrich Faust während des Osterspaziergangs diesen weltberühmten Satz sprechen ließ: „Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust.“
Das Agieren von Oberbürgermeister Erik Pauly und seinem Bürgermeister Severin Graf beim vermeintlichen „Bestattungsbeschluss“ des Donaueschinger Kreiskrankenhaus-Klinikums war mehr als ein politischer Fauxpas: Es ist Ausdruck eines unerträglichen demokratischen Zwiespalts zwischen dem Drang zur Macht- und Ämteranhäufung und dem demokratischen Grundsatz, dass Amt und Mandat nicht vereinbar sind (Inkompatibilität).
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