„Ich werde ihm ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann“, heißt es süffisant in Mario Puzos Roman „Der Pate“.
Ein ähnlich unwiderstehliches Angebot hat wohl vermeintlich Stefan Lubowitzki aus Freiburg im Breisgau in der Aktentasche, wenn er bundesweit die Bürgermeister der Kommunen und ihre Friedhofsverwalter besucht. Denn diese erscheinen öfter mit der Verwaltung ihrer Friedhöfe überfordert, können die Kosten ihrer Friedhöfe oft nicht einmal selbst kalkulieren, reduzieren und in den Griff bekommen, brauchen dann am besten saftige Gebührenerhöhungen und dafür ein Alibi mit einem Gutachten oder einem neuen Friedhofs-Konzept, das sie (und ihren Gemeinderat) bei Fehlgriffen aus der Verantwortung nimmt. Man erinnert sich dabei unweigerlich an die gescheiterte deutsche Fußball-Nationalmannschaft, als anständig bezahlte Star-Spieler bei der WM keinen Elfmeter schießen wollten, weil sie die Verantwortung fürchteten.
Der „Sport-Entertainer“ Stefan Lubowitzki ist Vertriebsprofi und kam auf die geniale Idee, sich den überforderten Kommunen als selbst erkannter „Friedhofs-Experte“ anzudienen und diese in Verträge zu ziehen. Zunächst verkauft er ihnen einen sogenannten Workshop "Strategietag Friedhof 2050“, um anschließend vermutlich einen Auftrag für ein neues Friedhofskonzept für seine Weiher GmbH zu ergattern. Von der Stadt Donaueschingen (ca. 22.300 Einwohner) soll er nach Angaben der Stadt für seinen Strategietag ein Honorar von 13.756,42 Euro brutto verlangt haben, welches ihm Friedhofsverwalter Jochen Amma wohl zugestand. Die Technischen Betriebe, Anstalt des öffentlichen Rechts der Stadt Velbert (ca. 84.930 Einwohner) teilten unserer Zeitung mit, bei ihnen sei am 11.6.2026 ein „Strategietag Friedhof 2050“ durch die Weiher GmbH abgehalten worden und man habe dafür ein Honorar von 13.960,38 netto berechnet bekommen. Die Gemeinde Maulburg im Wiesental (ca. 4366 Einwohner) hat unserer Zeitung mitgeteilt, dass ihr für den „Strategietag Friedhof“ von Weiher 12.334,78 Euro brutto in Rechnung gestellt wurden und in der Folge die Weiher GmbH mit der Erstellung einer „Friedhofkonzeption“ zum Preis von 32.212,40 brutto beauftragt wurde. Auch der Stadt Füssen (ca. 15.300 Einwohner) hat Weiher einen „Strategietag Friedhof 2050“ für 7.984,19 Euro verkauft. Danach wurden Leistungsmodule für Friedhofskonzeption, Bedarfskalkulation, Digitalisierung, Bodengutachten, Gebührenkalkulation, Satzungserstellung, Projektmanagement, Beratung und Baumgraberstellung von Weiher gekauft. Maximilian Eichstetter, Erster Bürgermeister der Stadt Füssen, teilte uns auf schriftliche Presseanfrage schriftlich mit, seine Stadt habe insgesamt Zahlungen in Höhe von 131.817,60 Euro an Weiher geleistet, zuzüglich 20.798,23 Euro für das Modul Baumgrabherstellung.
Weiter teilte der erste Bürgermeister von Füssen unserer Redaktion schriftlich mit: „Ergänzend zu den übermittelten Informationen möchte ich klarstellen, dass auch die Stadt Füssen mit der Zusammenarbeit und dem Gesamtergebnis nicht vollumfänglich zufrieden war....Vor diesem Hintergrund wurden nach Abschluss des beauftragten Projekts bewusst keine weiteren Aufträge an die Firma Weiher GmbH vergeben."
Die Stadt Siegen (ca. 102.540 Einwohner) teilte mit, der „Strategietag Friedhof 2050“ sei von der Weiher GmbH bei ihnen am 5.3.2025 durchgeführt worden. Es sei dafür von Weiher ein Honorar von 23.484,77 Euro berechnet worden. Weitere Aufträge seien von der Stadt Siegen an Weiher nicht erteilt worden. Die kleine Gemeinde Wolfschlugen im Landkreis Esslingen (ca. 6.424 Einwohner) teilte unserer Zeitung auf Anfrage mit, sie habe an die Weiher GmbH für den „Strategietag Friedhof“ 9.912,27 Euro bezahlt und die Weiher GmbH in der Folge mit einer Friedhofkonzeption und einzelnen Modulen für weitere Dienstleistungen beauftragt. Insgesamt seien von der Gemeinde Wolfschlugen Zahlungen in Höhe von 75.984,21 Euro an die Weiher GmbH geleistet worden. Die Gemeinde Grünstadt (ca. 14.604 Einwohner) im Landkreis Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) teilte unserer Redaktion mit, Weiher habe für den „Strategietag Friedhof“ 9146,00 Euro in Rechnung gestellt. In der Folge sei die Weiher GmbH in Einzel-Modulen mit Friedhofskonzeption, Gebührenkalkulation, Beratung und anderem beauftragt worden und es seinen an Weiher bisher Zahlungen von Höhe von 34.751 Euro geleistet worden. Zudem sei die Weiher GmbH nunmehr mit der Erstellung einer neuen Friedhofsgebührenkalkulation sowie der Ausarbeitung einer neuen Friedhofssatzung und Friedhofsgebührensatzung beauftragt worden. Hierfür würden voraussichtlich erneut Kosten in Höhe von mindestens 14.894,05 entstehen. Die Gemeinde Reichenau im Bodensee folgte nach dem bezahlten „Workshop-Strategietag“ dem Angebot des Entertainers und Friedhof-Experten Stefan Lubowitzki und beauftragte ihn mit einer Friedhofskonzeption. Am Ende kostete das Friedhofskonzept der Firma Weiher die Reichenau nach der Presseauskunft der Gemeinde angeblich rd. 66.000 Euro. Die Gemeinde Reichenau hat nur 5200 Einwohner und bei rund 60 Sterbefällen pro Jahr wird bei Umlegung dieser Kosten sofort klar, wer die Gewinner und wer die Verlierer dieses „geldschöpfenden Friedhofskonzeptes“ sind.
Lubowitzki teilte unserer Zeitung auf Nachfrage mit, dass er im Jahr 2025 sagenhafte 362 Friedhofsprojekte betreute. Würde er bei jedem Projekt, wie bei der Gemeinde Reichenau, 66.000 Euro kassieren, kämen Lubowitzki mit seiner vermeintlichen „Friedhofs-Masche“ und seinen verkauften und honorierten "Raster-Schablonen" von Friedhofskonzepten, die er vermeintlich immer wieder und immer öfter für neue, naive Gemeinden kopiert, auf geschätzte Einnahmen von 23.892.000 Euro. Unsere Pressefragen zur Höhe seiner Preise, Honorare und Einnahmen beantwortete Lubowitzki leider nicht konkret. Deswegen können wir noch nicht sagen, was seine Weiher GmbH bisher insgesamt bei den deutschen Kommunen tatsächlich einkassiert hat.
Wir recherchieren daher noch bei weiteren betroffenen Gemeinden und werden hier über die Ergebnisse berichten.
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