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Es ist abenteuerlich und faszinierend, zu einem unbekannten Ziel aufzubrechen. Doch dauerhaften Ziel-Erfolg gibt es nur mit intelligenten Gedanken, sorgfältiger Planung, exakter Ausführung und nach harter Arbeit. Werner Semmler

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Interview+Porträt

Global-Player Jürgen Schandelmeier: Vom Kaufmanns-Lehrling zum Schnäppchen-Jäger?

Global-Player Jürgen Schandelmeier: Vom Kaufmanns-Lehrling zum Welthandels-Kaufmann (Image: Rouven Schneider)

Der aus Vogtsburg-Oberrotweil stammende Handelskaufmann Jürgen Schandelmeier (59) ist in den letzten 30 Jahren vom ehemaligen Fellhändler zum erfolgreichen Großhändler aufgestiegen. Wurde aus dem ehemals kleinen Textilhändler ein cleverer „Global-Player“ und Schnäppchen-Jäger? Er war zwar nie der sprichwörtliche „Tellerwäscher“, sondern absolvierte eine solide Kaufmannslehre, doch er wurde nach der Lehre zum Millionär. Der Ihringer Handelsherr musste zeitlebens hart arbeiten und viele Klinken putzen, um nach Aufenthalten in Amerika seinen „American Dream“ zu verwirklichen. Er lautet: „Jeder gesunde Mensch kann mit fleißiger Arbeit, kreativen Ideen und hartnäckiger Willenskraft sein Leben verbessern und zu Wohlstand gelangen.“ Mit seinem Erfolg ist Jürgen Schandelmeier inzwischen, neben dem „Gips-Baron“ Thies Knauf und „Winzer-König“ Joachim Heger, zu den berühmtesten Ihringern avanciert. Eine "schillernde Figur" möchte er mit seinem Erfolg in dem Weindorf am Kaiserstuhl aber nicht sein.

Längst hat Schandelmeier sein ehemaliges kleines Textilkaufhaus in Ihringen verpachtet und agiert als weltweiter „Schnäppchen-Jäger“ für große Handels-Konzerne wie Aldi, Lidl, Norma, Rewe, Metro, Carrefour, Cora, Auchan, A.T.U., die Bosch-Gruppe u.a.. Mancher fragte sich schon lange, warum die Einkäufer dieser Konzerne nicht genau so clever wie Schandelmeier sind und warum sie ihn als Zwischenhändler brauchen. Der findige Ihringer Großhändler sucht dabei nicht etwa nur „Billig-Schlager“, sondern Produkte von hoher Qualität. Mit seinen "Nachahmungen und Etiketten" ist der Unternehmer mit den schmalen Lippen nicht unumstritten: Er musste schon zahlreiche Anwälte für Auseinandersetzungen bemühen und setzte sich durch. Den Vorwurf der "Piraterie" an Marken und Produkten anderer weist der Großhändler daher entschieden zurück.

Inzwischen hält der Kaiserstühler Beteiligungen an zahlreichen inländischen und ausländischen Firmen. Mit seiner Produktion von Kindersitzen fand er eine Marktnische; rund 50 Millionen Autiokindersitze soll er nach eigenen Angaben bisher verkauft haben. Schandelmeier handelt mit Waren aller Art, sogar mit feinem Avocado-Öl aus dem fernen Chile. Zuletzt hat der Unternehmer mit dem Erwerb der Ihringer „Winzerstube“ und dem Bau des ersten 4-Sterne-Hotels am südlichen Kaiserstuhl Schlagzeilen gemacht. Mit einem eigenen Weingut will er nun auch in der Weinwirtschaft Furore machen. Mit einem "Weingut Dr. Schandelmeier" will er seinen Sohn als Nachfolger aufbauen. Dazu sollen u.a. die geerbten Reben seiner Frau dienen. Die Trauben werden im Ihringer Weingut Düringer angeliefert und auf Rechnung der Schandelmeiers von Thomas Düringer zu Wein ausgebaut und abgefüllt. Etikettiert werden die Flaschen auf "Weingut Dr. Schandelmeier". Düringers Weinkunst in Schandelmeiers Flaschen? Beim Ausbau eigener Trauben in einem fremden Lohnbetrieb sieht das geltende Weinrecht in der Verwendung der Bezeichnung "Weingut" keine Täuschung des Verbrauchers. Lesen Sie nachfolgend die Biographie und unser Exklusiv-Interview mit dem erfolgreichen Großhändler und faktischen Einkäufer für Großkonzerne. 

 

Jürgen Schandelmeier hat sich den Neid durch harte Arbeit verdient.

Für manche neidische Ihringer gilt der ehemalige Fellhändler Jürgen Schandelmeier noch immer als „Emporkömling,  der „from rags to riches“ („von Lumpen zu Reichtümern“) gekommen ist. Doch seine fairen Mitbürger anerkennen Schandelmeiers enorme Aufbauleistung. Autor Werner Semmler hat in seinem Artikel über die „Demaskierung des Neides durch Anerkennung von Geist, Mut, Tatkraft und Leistung“ zum Ursprung des Neides geschrieben: „Wo Begierde ohne eigene Leistung ist, da ist immer auch der Neid.“ Nach Schandelmeiers nachweisbaren Erfolgen ist es höchste Zeit, nicht mehr alleine die neidischen Vor-Urteile und Klischees zu übernehmen, sondern diese durch ein gerechtes Urteil zu ersetzen. „Regionalia“ bringt's und stellt Jürgen Schandelmeier Fragen, die ihm mancher Ihringer gerne stellen wollte.

Schandelmeier ist in erster Ehe seit 31 Jahren mit der Ihringerin Claudia Schandelmeier, geborene Hohwieler verheiratet. Er hat eine erwachsende Tochter und einen erwachsenen Sohn,  der nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaft und der Promotion in das väterliche Unternehmen eingestiegen ist. Schandelmeiers Tochter bereitet sich gerade auf das erste juristische Staatsexamen vor.

Biographie Jürgen Schandelmeier:

Jürgen Schandelmeier wuchs in Vogtsburg-Oberrotweil auf. Nach der Hauptschule besuchte er die  Wirtschaftsoberschule in Freiburg und begann im Anschluss eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann bei der Freiburger Niederlassung einer Hamburger Firma. Nach erfolgreichem Abschluss der Lehre machte er sich schon mit 22 Jahren selbständig mit einer Näherei und dem Handel mit Autofellbezügen. Im Laufe der Jahre wurde sein Produktsortiment breiter. Für vier Jahre zog es ihn in die Vereinigten Staaten. Dort betrieb er zwei Firmen in Florida und in Californien. Mit Beginn der 90-er Jahre  verlegte er den Schwerpunkt nach Europa und spezialisierte sich auf Autokindersitze. Niederlassungen gibt es heute in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und in Ungarn. Kooperationen begründete er in Fernost.  Bedient werden u.a. die Großformate des Handels. Schandelmeier hält auch noch weitere Beteiligungen an Kosmetik-Produzenten und Immobilien-Unternehmen. In Deutschland agiert er mit der Eurokids GmbH & Co KG,  Nordhalben.

Die Schandelmeier-Gruppe: Unternehmen und Beteiligungen

Eurokids GmbH & Co KG, Nordhalben/Ihringen (Kindersitze)
J.S. Production Sarl, Maisonsgoutte-France (Logistik)
IWH Distribution Sarl. Triembach, France (Kinderartikel)
IWH AG, Unterengstringen-Suisse (Beteiligungs AG)
RRC AG (Dolce Mundo) Unterengstringen-Suisse (Feinkost, Öle,Wein,Champagner)
IWH Immo Kft,Budapest-Ungarn (Immobilien)
Brands to Business, Budapest-Ungarn (div.Markenartikel,  Non Food )
Raphael Rosalee Cosmetics, Ihringen (Kosmetik)
United-Kids, Nordhalben (Online)

Exklusiv-Interview: Fragen an Jürgen Schandelmeier

1. Regionalia: Herr Schandelmeier, wie wird man so erfolgreich und so reich wie Sie? Wir gehen davon aus, das wird man weder in kurzer Zeit noch beim Lottospielen?

Jürgen Schandcelmeier: Durch Fleiß, Zielstrebigkeit und gewisse Risikobereitschaft.  Natürlich darf das Quäntchen Glück nicht fehlen.

2. Regionalia: Wie viel Umsatz machen Sie und wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Jürgen Schandelmeier: Alle Firmen zusammen ca. 50 Mio Euro.
 Eigene Mitarbeiter ca. 30;   Outsourcing: ca. 500 Personen, welche ausschließlich für uns arbeiten.

3. Regionalia: Welche Berufsausbildung haben Sie? Wie ist Ihr beruflicher und unternehmerischer Werdegang?

Jürgen Schandelmeier: Ich bin gelernter Kaufmann, mit 22 Jahren machte ich mich selbstständig und bin es bis heute geblieben

4. Regionalia: Wo und wann sind Sie geboren und aufgewachsen? Wo haben Sie bisher schon überall auf der Welt gelebt, gewohnt und gearbeitet?

Jürgen Schandelmeier: Geboren bin ich 1954 in Freiburg, aufgewachsen in Vogtsburg-Oberrotweil, und jetzt  lebe seit 32 Jahren in Ihringen. Zwischendurch war ich für fast 4 Jahre in den USA, allerdings nur mit temporärem Wohnsitz. Die ersten 20 Jahre meiner Selbstständigkeit  verbrachte ich größtenteils in Hotelzimmern auf der ganzen Welt. Ich habe alle Kontinente bereist und viele Kunden und Lieferanten besucht.

5. Regionalia: Wie sind Ihre familiären Verhältnisse? Wie viele Kinder haben Sie? Was machen Ihre Kinder? Wie sind Sie in der Region verwurzelt?

Jürgen Schandelmeier: Ich bin seit 31 Jahren mit derselben Frau glücklich verheiratet und habe 2 Kinder. Mein Sohn trat vor ca. 1 ½ Jahren nach seinem Promotionsstudium in das Unternehmen ein und durchläuft nun alle Abteilungen.  Meine Tochter studiert in Frankfurt Jura und bereitet sich derzeit auf das Staatsexamen vor.  Ihr Ziel ist es, einmal als Staatsanwältin oder Richterin zu arbeiten. Sie kann sich allerdings auch vorstellen, als spezialisierte Anwältin im Medizinstrafrecht tätig zu sein. Meine Frau ist in Ihringen geboren und kommt aus einem alten Winzerbetrieb. Ich selbst lebe seit über 30 Jahren in Ihringen und fühle mich mit der Region, insbesondere dem Kaiserstuhl sehr verbunden.

6. Regionalia: Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Was sind Ihre Hobbys?

Jürgen Schandelmeier:  Am Wochenende mache ich gerne mit meiner Frau zusammen ausgedehnte Spaziergänge, wenn es meine Zeit erlaubt. .Darüberhinaus gehe ich im Winter sehr gerne Ski fahren , ansonsten fasziniert mich das Thema Wein. Ich bin begeisterter Sammler von Weinen aus aller Welt.

7. Regionalia: In welchen Organisationen, Verbänden, Vereinen oder Genossenschaften sind Sie Mitglied? Bekleiden Sie öffentiche Funktionen?

Jürgen Schandelmeier: Wir sind in Ihringen in verschiedenen Vereinen als passiver Mitglieder dabei,  öffentliche Funktionen bekleide ich nicht. 1999 wurde mir der "Goldjupiter Wirtschaftspreis" von dem WBA-Gesamtverband zuerkannt, welcher gleichzeitig mit der Verleihung der Würde "Senator h.c. "  verbunden war. Den Titel trage ich allerdings nicht. Interessant sind die jährlich zweimal stattfindenden Treffen. Die Mitglieder werden letztendlich berufen . Erfolgreiche Unternehmer und ausgediente Politiker, u.a. auch ehemalige Bundesminister, Landtagspräsidenten und Abgeordnete sind in diesem Verband vertreten und tauschen Ihre Erfahrungen aus.

8. Regionalia: Welche Bücher; Filme, Reisen haben Sie in Ihrem Leben am meisten beeindruckt?

Jürgen Schandelmeier:  Es gibt viele gute Bücher und Filme, einen speziellen Favoriten habe ich nicht.Generell interessieren mich Autobiographien, aber auch Comedi-Serien. Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit hatte ich das Glück, viele fremde Länder zu bereisen. Fasziniert haben mich der ferne Osten, insbesondere China mit seiner jahrtausendealte Tradition, aber auch Australien mit seiner Weite und beeindruckenden Natur.

9. Regionalia: Welche Musik und welche Komponisten hören Sie gerne?

Jürgen Schandelmeier: Rock, Jazz und Blues sind meine Favoriten, allerdings höre ich auch  gerne Mozart, Bach und Puccini.

10. Regionalia: Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Was sind Ihre Stärken, was sind Ihre Schwächen? a) als Mensch? b) als Unternehmer?

Jürgen Schandelmeier: Ich bin ein ungeduldiger Mensch und möchte, dass Dinge sofort erledigt werden. Als Stärke kann man sagen: Ich bin ein guter Zuhörer, würde mich auch als hilfsbereit einschätzen und gebe jedem eine Chance.  Als Unternehmer habe ich oftmals zu große Erwartungen; als Stärke sagt man mir nach, ich hätte Durchsetzungsvermögen und Überzeugungskraft, d.h., wenn ich ein Ziel vor Augen habe, möchte ich es auch realisieren.

11. Regionalia: Was waren die größten Momente und Erlebnisse in Ihrem Leben und in Ihrem Beruf?

Jürgen Schandelmeier:  Die größten Momente waren die Geburt meiner Kinder.  Beruflich finde ich es immer wieder spannend mit Geschäftspartnern anderer Kulturen zusammen zu treffen. Auf der einen Seite ist es eine Herausforderung, auf der anderen Seite sicherlich auch eine Bereicherung.

12. Regionalia: Wer sind Ihre Vorbilder als Mensch? Als Unternehmer? Als Politiker?

Jürgen Schandelmeier: Als Mensch Martin Luther King, der sein Leben für Freiheit, Gleichheit und das Ende sozialer Unterdrückung widmete. Als Unternehmer habe ich viele Vorbilder. Politisch bin ich neutral, und wünsche jeder Regierung eine glückliche Hand,  egal welcher Coleur.

13. Regionalia: Womit machen Sie heute Ihre Geschäfte?

Jürgen Schandelmeier:  Schwerpunktmäßig sind wir mit der Produktion und dem Vertrieb von Autokindersitzen beschäftigt.

14. Regionalia: Was waren Ihre größten geschäftlichen Renner?

Jürgen Schandelmeier:  Autokindersitze. 1992 wurden die Kindersitze in Deutschland als zweitem Land nach Frankreich gesetzlich vorgeschrieben.  Allein in diesem Jahr haben wir über 7 Mio Stück in Deutschland ausgeliefert. Einer unserer Hauptlieferanten war übrigens die Firma Knauf. In den Folgejahren kamen die anderen europäischen Länder dazu. Bis heute haben wir ca. 50 Mio Autokindersitze produziert.

15. Regionalia: Und was waren die „Penner“, also die Ladenhüter, Misserfolge und die Nieten, die sich schlecht verkauften?

Jürgen Schandelmeier:  Als Unternehmer haben sie immer wieder einmal sogenannte "Penner", aber das ist das unternehmerische Risiko, welches jeder  Selbständige eingeht.

16. Regionalia: Wie kamen Sie zu Ihrem Engagement für die Ihringer „Winzerstube“? Warum werden Sie jetzt auch noch Hotelier und Gastwirt?

Jürgen Schandelmeier: Ich selbst werde kein Hotelier bzw. Gastwirt.  Wir sind keine Gastronomenfamilie, und sehen uns daher als Investor. Seinerzeit hatte uns der Geschäftsführer der hiesigen Winzergenossenschaft angesprochen über einen möglichen Kauf. Mögliche Pächter waren bereits im Portfolio der WG, so daß es ein interessantes Objekt für uns war. Dass es zu keiner Verpachtung gekommen ist, war nicht abzusehen. Aber wir haben mit Daniel Boschert einen hervorragenden Küchenchef gefunden, welcher auch als Geschäftsführer die operative Verantwortung übernommen hat. Zudem kann er auf verschiedene Backoffices in unserer Firmengruppe zurückgreifen, beispielsweise Marketing, Informatik und Controlling.  Mein Sohn hat gerade eine Schulung bei der Dehoga hinter sich gebracht und  sich die notwendigen Kenntnisse für eine solide Unternehmensführung nebst Controlling verschafft.  Als promovierter Wirtschaftswissenschaftler verfügt er zwar über die „höheren Zusammenhänge" allerdings sieht die Praxis nochmal etwas anders aus.

17. Regionalia: Wie viel investieren Sie in den Kauf der Immobilie „Winzerstube“, den Umbau und den Hotelneubau?

Jürgen Schandelmeier: Wie bereits in den anderen Tageszeitungen veröffentlicht, ca. 4 Mio Euro.

18. Regionalia: Wie viele Hotelbetten, Zimmer und Restaurant-Plätze werden Sie damit schaffen?

Jürgen Schandelmeier:  74 Hotelbetten , 28 Zimmer und 4 Suiten.  Restaurantmäßig gibt es zwei Bereiche mit jeweils ca. 100 und 60 Plätzen.

19. Regionalia: Mit wie vielen Übernachtungen planen Sie pro Jahr?

Jürgen Schandelmeier:  Wir hoffen eine Auslastung von mindestens 60% zu erreichen, wobei dieses Jahr ein Rumpfjahr ist.

20. Regionalia: Wie viele neue Arbeitsplätze schaffen Sie mit Ihrem Winzerstuben-Betrieb in Ihringen?

Jürgen Schandelmeier:  In der Endphase werden es ca. 30 sein.

21. Regionalia: Wie und woher holen Sie Übernachtungs-Gäste?

Jürgen Schandelmeier:  Wir sind in den verschiedenen Online-Reservierungs-Portalen vertreten,  arbeiten mit Reiseverkehrsunternehmen zusammen und betreiben eine eigene Kundenaquise.

22. Regionalia: Jeder Übernachtungsgast wird Geld nach Ihringen mitbringen Werden davon auch die anderen Weingüter, Gastro-Betriebe, Geschäfte und Dienstleister profitieren?

Jürgen Schandelmeier:  Auf jeden Fall. Ihringen ist ein klassischer Weinort und zieht entsprechende Besucher an. Letztendlich ist es wichtig, daß der Ort an sich für die Touristen einen Anziehungspunkt darstellt mit einem breiten Angebot. Die Besucher wollen u.a. eine gastronomische Vielfalt haben. Daher ist es wichtig, daß die verschiedenen Betriebe miteinander arbeiten und sich nicht als Konkurrenz sehen. Nur so werden alle profitieren. Das betrifft nicht nur die Gastronomie,  sondern auch die Weingüter und alle anderen Dienstleister. Die neuen Kunden, die wir im Hotel für Übernachtung anziehen, werden nicht nur bei uns essen und auch in anderen Geschäften einkaufen.

23. Regionalia: Warum haben Sie das Personal in der „Winzerstube“ komplett gewechselt?

Jürgen Schanndelmeier: Gerade in der Anfangsphase ist es schwierig, geeignetes Personal zu finden. Letztendlich lassen sich erst nach einer gewissen Zeitspanne Rückschlüsse ziehen, inwiefern Verbesserungsbedarf besteht.

24. Regionalia: Die Übernahme von Personal aus dem „Bohrerhof“ war Thema öffentlicher Erörterungen.. Wie kamen Sie zu Ihrem neuen Chef-Koch Daniel Boschert, und wie zum Personal aus dem „Bohrerhof“?

Jürgen Schandelmeier: Daniel Boschert hat sich auf normalem Wege bei uns beworben. Es war uns nicht bekannt, daß er seit mehreren Monaten dort nicht mehr arbeitete. Die Gründe seines Ausscheidens bei Bohrer gehen uns nichts an.

25. Regionalia: In Ihringen wird kolportiert, Sie hätten einigen Handwerkern, die am Umbau der „Winzerstube“ oder am Neubau Ihres Hotels beteiligt waren, ihre Rechnungen gekürzt. Stimmt das, und wie kam es dazu?

Jürgen Schandelmeier:  Das ist dummes Geschwätz . Es wurde keine einzige Rechnung gekürzt.

26. Regionalia: Nach unseren Recherchen sind Sie solide aufgestellt und haben in den letzten 30 Jahren alle berechtigten Rechnungen bezahlt. Sie haben Außerordentliches geleistet und keinem etwas gestohlen. Neid muss man sich bekanntlich verdienen. Wie haben Sie sich den Neid verdient, wo zahlen Sie Ihre Steuern und wie viel Stunden arbeiten Sie pro Tag und pro Woche?

Jürgen Schandelmeier: Sie kennen ja den Spruch:  Mitleid bekommen sie geschenkt, Neid müssen sie sich erarbeiten. Unsere Steuern bezahlen wir in Deutschland, unsere ausländischen Unternehmen werden in den jeweiligen Ländern gemäß Doppelbesteuerungsabkommen versteuert.  Als Unternehmer gibt es keine strikte Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Im Endeffekt beschäftigt man sich ständig mit aktuellen Projekten,  und wie man sich weiterentwickeln kann.  Meine Frau sagt, ich würde viel zu viel arbeiten und hätte zu wenig Zeit für sie.

27. Regionalia: Welche Ziele wollen Sie mit Ihrer „Winzerstube Ihringen“ erreichen?

Jürgen Schandelmeier: Die Winzerstube soll sich auf dem Gastromarkt etablieren und zu früherem Glanz finden.Wie Sie ja selbst sagen: Konkurrenz belebt das Geschäft. Man darf nicht aufhören, sich anzustrengen und Leistung zu bringen. Ihringen ist ein gastronomisches Wespennest. Wir haben hervorragende Betriebe , welche außergewöhnliche Ergebnisse erzielen. Je größer die Abwechslung, desto zufriedener die Kunden. Unser Ziel ist es, mit den anderen gastronomischen Betrieben ein harnomisches Verhältnis herzustellen, ohne sich zu bekämpfen.  Es gibt für jeden einen Platz.  Der Hotelbetrieb ist von der Ausstattung her das einzige 4-Sterne-Haus am südlichen Kaiserstuhl und wird sicherlich in diesem Segment seinen Kundenkreis finden. Wir schließen hier die Marktlücke. Die Zimmerausstattung entspricht sogar den Kriterien eines 5-Sterne-Hauses.

28. Regionalia: Wie kommen Sie zum Wein und zum Weingut Dr. Schandelmeier?

Jürgen Schandelmeier:  Wie schon bereits erwähnt, ist Wein mein Hobby. Meine Schwiegereltern, welche leider schon verstorben sind, waren langjährige Genossenschaftswinzer in Ihringen . Da meine Frau als einziges von 4 Kindern in Ihringen lebt, lag es nahe, die Weinberge von ihren Eltern zu übernehmen. Zusätzlich haben wir einige Weinberge noch dazu erworben, um eine passable Größe für ein eigenes Weingut zu erreichen.Im Moment verfügen wir über 7 ha Eigenbestand, wobei wir hier noch auf ca. 10 ha aufstocken wollen.  Die Winzerstube dient uns hierzu als Plattform für die Einführung, wobei unsere Weine ein Sortiment unter anderen sein werden. Wir schätzen uns glücklich, Weine von anderen Weingüter, sowie der Winzergenossenschaft auch auf unserer Weinkarte zu haben.

29. Regionalia: Wollen Sie den Ihringer Winzern Konkurrenz machen,  oder bauen Sie nur den Wein aus Ihren eigenen Reben aus?

Jürgen Schandelmeier: Auf keinen Fall wollen wir den Winzern Konkurrenz machen. Im Gegenteil; wir haben mit der Winzergenossenschaft und auch einigen Weitgütern eine strategische Zusammenarbeit geplant. Da wir stark im Auslandsgeschäft tätig sind, haben wir einige gute Voraussetzungen, unseren Wein zusammen mit anderen Weinen aus Ihringen und der Region zu vertreiben. Zielmärkte sind hauptsächlich Fernost, wo wir bereits seit 20 Jahren tätig sind. Wir verfügen hier über ausgezeichnete Kontakte. Auch werden wir uns in der Schweiz engagieren. Wie wir festgestellt haben, gibt es hier enormen Nachholbedarf. Aufgrund der schwierigen Exportdokumentationen wagen sich viele Weingüter nicht daran,  Ihren Wein in die Schweiz auszuführen. Wir sind seit über 20 Jahren in der Schweiz tätig und  kennen uns mit der Materie Ausfuhr aus. Vielleicht werden wir in Kürze ein Auslieferungslager in Basel einrichten. Ausgebaut werden nur die eigenen Weine.

30. Regionalia: Ist Ihre Ihringer „Winzerstube“ auch eine Botschafterin des Ihringer Weins? Welche Weine von welchen Weingütern gibt es in der „Winzerstube“ ?

Jürgen Schandelmeier:  Natürlich, die Winzerstube ist von ihrer Historie geradezu prädestiniert, die Ihringer Weine den Gästen zugänglich zu machen.  Premiumpartner ist die Winzergenossenschaft neben ausgesuchten Weingütern wie Dr. Heger, Blankenhornsberg, Stigler, Hubert Lay, Konstanzer usw…

31. Regionala: Wir hörten, dass Sie künftig auch als Botschafter feiner Öle und Cholesterinsenker unterwegs sind. In Ihrer „Winzerstube“ sollen sie bereits Verwendung finden. Was hat es auf sich mit Schandelmeiers Avocado-Öl?

Jürgen Schandelmeier:  Das ist ein neues Geschäftsfeld von unserer Unternehmensgruppe. Es laufen derzeit Testverkäufe bei namhaften Lebensmittel-Ketten, welche wir im Moment nicht nennen können, um die Testergebnisse nicht zu beeinflussen.  Es ist auf jeden Fall ein spannendes Thema. Avocado-Öle gibt es fast nicht in Deutschland,  und sie würden eine Nische füllen.  Ob sie sich zum Renner oder Penner entwickeln, bleibt abzuwarten.

32. Regionalia: Jetzt haben Sie auch noch das „Winzerstuben-Café“ eröffnet. In Facebook schrieben Ihre Kunden, dass sie bei Ihnen die beste „Schwarzwälder Kirschtorte“ gegessen haben. Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Café,  und wer bäckt bei Ihnen den Kuchen?

Jürgen Schandelmeier:  Mit dem Café versuchen wir, einigen Mitbürgern die Schwellenangst zu nehmen, welche dann im nachhinein vielleicht auch unser Restaurant besuchen. Die Kuchen werden von einer neuen Mitarbeiterin gebacken, welche zuvor im Bohrerhof arbeitete. Da ihr Vertrag befristet im vergangenen Jahr ausgelaufen war, hatte sie sich für uns entschieden. Allerdings war es eine Initialbewerbung und keine Abwerbung unsererseits. Es ist immer das legitime Recht eines jeden Mitarbeiters, sich verbessern zu dürfen. Wir freuen uns auf jeden Fall, mit ihr eine tüchtige „Bäckerin" gefunden zu haben.

33. Regionalia: Herr Schandelmeier, Sie können sich viele Wünsche selber erfüllen. Was würden Sie sich wünschen, was Sie sich selber nicht erfüllen können?

Jürgen Schandelmeier:  Ich würde gerne gesund bleiben und mit meinem Sohn einmal den Amazonas bereisen.

34. Regionalia: Sie sind ein Profi mit reicher Erfahrung. Welches Angebot würde Sie nervös machen?

Jürgen Schandelmeier: Jetzt in die Rente gehen zu müssen.

35. Regionalia: Was beeindruckt Sie bei Menschen, welche Eigenschaften schätzen Sie bei Menschen?

Jürgen Schandelmeier:  Loyalität, Zielstrebigkeit, Ehrlichkeit.

36. Regionalia: Können Sie auch selbst kochen? Was ist Ihr Lieblingsgericht?

Jürgen Schandelmeier: Meine Frau kann es besser als ich, allerdings bin ich am Wochenende  für das Frühstück zuständig inclusive Rührei.  Ich habe viele Lieblingsgerichte, u.a. mag ich die bodenständige  traditionelle Küche, wie zum Beispiel: Löwenzahn mit Speck, Eiern und Kartoffeln.  Ich mag aber auch Spätzle.

37. Regionalia: Wenn Sie mit fünf Personen auf eine einsame Insel müssten, wen würden Sie mitnehmen?

Jürgen Schandelmeier: Meine Familie,  oder humorvoll: Das verrate ich nicht, doch der Teufel wäre sicher nicht dabei.

38. Regionalia: Wir danken Ihnen für dieses Interview. Schön, dass wir Sie ein bisschen besser kennenlernen durften.

Die Fragen stellte Herausgeber Werner Semmler.
 

Author:  wese (Regionalia Deutschland, Article No. 7293)

Created on 3/19/2013 8:09 PM.

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