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Es ist abenteuerlich und faszinierend, zu einem unbekannten Ziel aufzubrechen. Doch dauerhaften Ziel-Erfolg gibt es nur mit intelligenten Gedanken, sorgfältiger Planung, exakter Ausführung und nach harter Arbeit. Werner Semmler

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Kein Schweinsteigen auf Schweinsteiger: Adieu & merci Bastian!

Adieu et merci Sebastian Schweinsteiger. (Image: Gettyimages)

Aus dem Drama von Friedrich Schiller über die „Verschwörung des Fiesco zu Genua“ und dem „Mohr von Tunis“ leitet sich das deutsche Sprichwort ab: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“. Daran erinnert man sich unweigerlich, wenn man an den herbei-geschriebenen Abschied nebst den vermeintlich grauen Schläfen von Bastian Schweinsteiger, eines genialen und sympathischen Weltstars des Fußballs, denkt. So etwas muss eine sensible Seele tief verletzen. Weltmeister Schweinsteiger ist ohne jeden Zweifel einer der besten Fußballspieler der Welt. Weil er mit seinem Auftritt wie kaum ein anderer für deutsche Werte und Tugenden auf der ganzen Welt geworben und weil er uns viel Freude geschenkt hat, sollte er jetzt unsere Liebe, unseren Dank und das Bundesverdienstkreuz erster Klasse bekommen.

Altersmobbing bei gereiften Stars? Bei uns allen weicht die unbändige Kraft der Jugend dem Alter. Und so können wir der Hybris der Anbeter der ewigen Jugend nur das römische "Memento mori" entgegenhalten und ihnen sagen: „Wir waren einmal so wie Ihr seid und Ihr werdet einmal so wie wir sind“. Doch mancher „Alte“ kann noch immer Kraft & Macht schlagen: Mit seinem Geist und seiner Erfahrung. Das vorschnell verbrannte Energie-Wunder Schweinsteiger kann jederzeit wieder aufsteigen; wie Phönix aus der Asche. 

Das „Verletzungsdrama Schweinsteiger“ zeigt uns die hässliche Kehrseite des Leistungssports und seinen extrem hohen Preis: Der abrupte oder schleichende  körperliche und seelische Niedergang seiner Protagonisten in immer mehr Spielen und lukrativen Wettkämpfen. Dieses extreme Verletzungsrisiko und der körperliche Verschleiß werden bei den Profil allerdings fürstlich bezahlt.

In dem „Welt-Theater der Fußball-Gaffer“ werden, wie im alten Rom,  „Brot & Spiele“ geboten.  Sämtliche Rechnungen zahlen dabei die Zuschauer. Sie zahlen die  hohen Eintrittspreise in den Stadien, die Fernseheinnahmen der Klubs über die monatlichen Rundfunkgebühren, die Gehälter der Spieler und die Werbegelder der Sponsoren. Denn Adidas & Co. schlagen die Millionen, die sie den Verbänden, den Clubs und den Protagonisten des Sports zukommen lassen,  auf die Preise ihrer verkauften Produkte auf und kassieren sie bei den Verbrauchern wieder ein. Sind wegen diesen enormen Werbekosten Adidas-Schuhe aus Kunststoff so sündhaft teuer?  Wenn der Zuschauer und Verbraucher letztlich alle Rechnungen im Fußball bezahlt,  auch die Korruptionsgelder,  dann will er dabei wenigstens seinen Ego befriedigen.

Das Fußball-Schauspiel zeigt die gnadenlose Erwartungshaltung in diesem Sport und die primitive Unmenschlichkeit und Undankbarkeit mancher Fans und Klubs. Dabei ist es keinem einzigen Menschen dieser Welt möglich, fehlerfrei zu bleiben und nie ein Leistungstief zu haben. Viele der Fußball-Zuschauer sind nur Gaffer am Können und an der Leistung ihrer Idole. Und viele Funktionäre sind die Profiteure des Ruhms ihrer Spieler. Viele von ihnen sind selbst unsportlich, haben einen dicken Bier-Bauch und könnten niemals in dem Spiel der zweiundzwanzig starken Männer spielen, dem sie gierig und fanatisch zuschauen. Aber sie geben Ratschläge und  wollen Tore und ihre Klubs permanent gewinnen sehen. Sie erwarten von ihren Idolen ewige Jugend und absolute Vollkommenheit. Sie nehmen die Stars in das lebenslange „Gefängnis des Gaffens“ und lassen sie nicht einmal in Ruhe heiraten, oder gelegentlich an ihrem Allerwertesten kratzen (Löw), ohne zuschauen zu wollen. Wenn die alternden Stars den Fans, den Klubs und ihren bevorzugten Hofberichterstattern keinen Ruhm mehr einbringen, kommt es zum niederschreienden oder niederschreibenden “Alters-Mobbing“. Sie werden hinaus geekelt, wenn sie nicht selber einsehen wollen, dass ihre Zeit abgelaufen ist und man ihren Vertrag nicht mehr erfüllen und auflösen will. 

Seit es beim FC Bayern für Bastian Schweinsteiger nicht mehr so gut lief und sich seine leidvollen Verletzungen, seine jahrelange Auspressung und Auszehrung und sein Alter bemerkbar machten, wurde er systematisch niedergeschrieben, um (wie bei Mario Götze) seinen Abgang letztlich zu bewirken. In seiner Verzweiflung über das nach vielen Verletzungen folgende Leistungstief und die Undankbarkeit seiner früheren Nutzer und Bewunderer, blieb ihm 2015 nur die Flucht nach vorn: Zu seinem verbliebenen treuen Freund Louis van Gaal  und  zu Manchester United.
 
Mit Bastian Schweinsteiger hatten der deutsche Fußball und die deutsche Nationalmannschaft viel Schwein, Glück,  Erfolg und Freude.  DANKE Bastian, dass Du Dir für unsere Gaffer-Freude und unseren Trophäen-Ehrgeiz ("Wir sind Weltmeister") den Arsch aufgerissen hast und Dir Deine  Schultern, Knochen,  Bänder und Sehnen brechen liesst. Du wirst die Verletzungen für den Rest Deines Lebens bei schlechtem Wetter noch  bis zum Ende Deines Lebens schmerzhaft spüren.

Dankbarkeit ist eine Bildung des Herzens. Ich danke Dir für Deinen Kampf,  Deine Werbung für Made in Germany, Dein Lachen und Deine  Freude. Du warst mit Deinem kraftvollen Körper, Deiner Ballkunst, Deinen blauen Augen,  Deinen blonden Haaren, Deinem Lachen und Deinem Weinen eine Freude für unsere Augen, unsere Gefühle und unser gestresstes Leben. Über Jahre hast Du uns  zuschauen lassen an Deinem Können und an Deinem Sein  und viele von uns damit glücklich gemacht.  Danke Bastian!

Mit meinem Artikel Nr.9046 vom 11.3.2014 bin in ich - als einer der wenigen deutschen Journalisten - dafür eingetreten, Einsicht in die unbändige Herrschaft von kranker Spekulationssucht zu zeigen und Uli Hoeneß unter Würdigung seiner Verdienste Gnade zu gewährten. Heute trete ich dafür ein, jenen Stars des Fußballs Gnade, Dank und Respekt zu gewähren, denen durch Verletzungen beim Spiel schwerer körperlichen Schaden zugefügt wurde und die im Alter dafür einen hohen Preis zahlen müssen.

www.regionalia.de/nur-maskierter-neid-ist-gnadenlos-treibt-uli-hoeness-nicht-in-den-selbstmord_A9046

Ich hoffe, die Bundeskanzlerin, der bayerische Ministerpräsident, der DFB und der FC Bayern drücken sich nicht vor einer angemessenen Würdigung von Bastian Schweinsteiger. Denn sie standen im Ruhm und Profit seiner Arbeit. Die Ehre des großen FC Bayern München gebietet auch Dankbarkeit.

Merci, Merci, Merci Chérie: Merciiii für Dein Spiel, mon Ami!

Autor: Werner Semmler

Author:  wese (Regionalia Deutschland, Article No. 10875)

Created on 7/31/2016 11:21 AM.

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