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Judentum

Roscheschone: Die Juden feiern ihr Neujahrsfest im Geist von Max Mannheimer.

Vermächtnis Max Mannheimer: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon“ (Bild: Fotolia35498180©Liron-Peer)

„Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon“.

An diese mahnenden Worte des erst kürzlich verstorbenen großen Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer (*6.2.1920 +23.9.2016) fühlt man sich unausweichlich gebunden, wenn man dem wieder aufkommenden Rechtspopulismus und dem erneuten Fremdenhass ins Auge sieht. Nachdem dieser eminente Zeitzeuge von uns gegangen ist, sollte uns das jüdische Neujahrsfest am 3. und 4. Oktober 2016 an das unverzichtbare Gebot der Toleranz und an die jüdische Freude durch Vielfalt erinnern. Millionen Menschen, auch die Angehören von Max Mannheimer, wurden vergast und ermordet, nur weil sie Juden waren. Dieses größte Verbrechen der Menschheit darf niemals vergessen werden. Es ist unsere moralische Pflicht, in jedem neuen jüdischen Jahr dran zu erinnern. In diesem Jahr fallen das jüdische Neujahrsfest und der Tag der Deutschen Einheit auf den gleichen Tag. 

 

Rosch ha-Schana - die Juden feiern den „Tag des Lärmblasens“.

Am 3. und 4. Oktober wünschen sich die Juden der Welt schana tova („ein gutes Jahr“) oder schana tova u'metuka („ein gutes und süßes Jahr“). Sie feiern 48 Stunden lang ihr Neujahrsfest „Rosch ha-Schana“, das Haupt und den Anfang des Jahres. Es ist der Tag des Schofar-Blasens, deswegen wird dieser Tag in der Tora und im Talmud auch als der Tag des Schofars genannt. Der Schofar erklingt zum Morgengebet beim Neujahrsfest. Es ist ein Freudentag, an dem sich die Juden wegen Gottes Erbarmen freuen sollen. „Rosch ha-Schana“ ist zugleich auch „Jom Hadin“: Am „Tag des Gerichts“ werden am Neujahrsfest drei Bücher geöffnet: In das erste Buch werden die „ganz Gerechten“ eingetragen, die damit das „Siegel des Lebens“ erhalten. In das zweite Buch werden die „ganz Bösen“ eingetragen, die das „Siegel des Todes“ erhalten. Im dritten Buch werden die „Mittelmäßigen“ bestimmt, die sowohl Verdienste als auch Sünden aufweisen. Über sie bleibt das endgültige Urteil bis zum Versöhnungstag offen; sie können durch Einkehr und Umkehr noch das Siegel des Lebens erhalten.

Ganz in Weiß.

Die Synagogen und die Vorbeter erscheinen zu Rosch ha-Schana als Zeichen der Reinheit ganz in weiß. Nach dem Fürbitten zur Vergebung werden Steine oder Brotkrumen ins Wasser geworfen, um die Sünden symbolisch abzuwerfen. Am zweiten Neujahrstag werden neue Kleider angezogen. Es wird eine Schale mit Früchten aufgestellt, die man zu dieser Jahreszeit noch nicht gegessen hat. Am Neujahrsfest genießen die Juden Honigkochen, Zimmes, Honig, Weintrauben, Apfel-Scheiben und süßen Wein. Es wird ein Stück von einem Fischkopf oder von einem Schafskopf mit der Parole gegessen: „Möge es Dein Wille sein, dass wir zum Kopf und nicht zum Schwanz werden“. Ein anderer jüdischer Festbrauch ist das Essen von Grantäpfel mit dem Spruch: „Möge es Dein Wille sein, dass unsere Rechte sich wie Granatäpfel mehren“.

Die Mischna, Überlieferung des rabbinischen Judentums, legt den Zeitpunkt für das Fest und die Berechnung der Kalenderjahre fest. „Rosch ha-Schana“ fällt nach dem jüdischen Kalender auf den 1. Tischri. Er rechnet sich nach dem gregorianischen Kalender wechselnd in den September oder die erste Hälfte des Oktobers, weil der jüdische Kalender mit Mont-Monaten (29 bis 30 Tage) rechnet. Alle drei Jahre wird ein Schaltmonat eingefügt um die 354 der 355 Tage mit dem Sonnenjahr in Einklang zu bringen.

„Rosch ha-Schana“ - Beginn der Weltschöpfung.

 Nach dem Talmud ist Rosch ha-Schana“ Beginn und Jahrestag der Weltschöpfung. Es wird die Geburt Adams gefeiert. Die Juden ziehen Bilanz über ihr moralisch-religiöses Verhalten im abgelaufenen Jahr und bitten Gott für das Neue Jahr um seinen Beistand.

Weindorf Ihringen lädt zum „Rosch ha-Schana“ ein.

Auch in Ihringen, einer süddeutschen Gemeinde mit großer jüdische Tradition, wird das Neujahrsfest gefeiert. Am 3.10.2016 wird um 16:30 Uhr auf dem nachdenklich machenden jüdischen Friedhof eine Kerze zur Erinnerung an die Hitler-Barbarei entzündet. Daran anschließend treffen sich die Freunde des Judentums um 17 Uhr im Café Rebstock zu einem Vortrag des Ihringers Gebhard Göpfert über die letzte Ihringer Jüdin Gertrud Schneider geborene Kirschbaum. Sie wurde 14.10.1908 im bayerischen Uffenheim geboren und ist am 13.4.1940 in Freiburg gestorben. In Ihringen bestand seit dem 18. Jahrhundert, bis etwa bis 1938/1940, eine jüdische Gemeinde. Seit 1716 wurden Juden in Ihringen aufgenommen, 1743 gab es 12 jüdische Familien in Ihringen, um 1857 lebten 264 Juden in dem Weindorf am Kaiserstuhl. Die jüdische Gemeinde hatte eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad in der Bachenstraße 17, einen Männer-Krankenverein, einen Frauenverein, eine Ortsarmenkasse und einen jüdischen Friedhof. Berühmt war der Ihringer Vorbeter und Schochet Karl Marx, der von 1859 bis 1924 in dem Dorf tätig war. Die Ihringer Juden unter den Namen Bloch, Felsenstein, Bernheim, Guggenheimer, Geismar, Lion, Löwy, Mayer, Heilbronner, Reis, Simon, Sinsheimer, Rosenblatt, Weil u.a. waren vorzüglich Viehhändler, Tuchhändler, Textilhändler, Gemüsehändler, Tabakhändler. Berühmt war damals auch das Ihringer Textil- und Möbelhaus Gustav Judas. Beim Pogrom im November 1938 wurde die Synagoge zerstört, einige konnten ins Ausland flüchten doch viele wurden deportiert und von den Nazi-Schergen ermordet.

Auch in Freiburg und im Breisgau gab es und wüteten Nazis. Deswegen ist es unsere Pflicht, das barbarische Unrecht in Erinnerung zu halten.

Ort: Ihringen, Café-Restaurant Rebstock, Am Kirchplatz 4
Zeit: 3.10.2016, 17:00 Uhr

Autor: Werner Semmler

Autor:  wese (Regionalia Deutschland, Artikel-Nr. 11269)

Angelegt am 02.10.2016 11:50.

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Der jüdische Friedhof in Ihringen (Bild: wese)  

Gebhard Göpfert, Fürsorger für den jüdischen Friedhof in Ihringen. (Bild: wese)  

Gerhard Göpfert auf dem jüdischen Friedhof in Ihringen. (Bild: wese)  

Jüdischer Friedhof in Ihringen. (Bild: wese)  

Grab von Lehrer Karl Marx auf dem jüdischen Friedhof in Ihringen. (Bild: wese)  
 
 

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